Vermächtnis
Die Geschichte von Kummavalo
Bevor Kummavalo seinen Namen erhielt, gab es eine Familie, alte Kartenspiele und Frauen, die innehielten, um auf das zu hören, was noch nicht alle sehen konnten.Drittes Kapitel
Die geheime Sprache der Aufzeichnungen
Die Kartenspiele waren nur die Hälfte des Erbes. Mit ihnen erhielt Saga Hefte, lose Blätter und Papierstücke, die zwischen die Karten gefaltet worden waren. Die Texte ergaben kein fertiges Buch. Sie verliefen an Seitenrändern, in Pfeilen, Unterstreichungen und kurzen Bemerkungen, die zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Sprachen geschrieben worden waren.
Als Saga begann, das Material zu ordnen, fand sie seltsame Antworten zwischen den Jahrzehnten. Eine Frage in der Handschrift einer Frau war viele Jahre später von einer anderen Hand ergänzt worden. Dieselben Zeichen, Farben und Schlüsselwörter kehrten wieder, obwohl ihre Verfasserinnen einander nie begegnet waren. Die Aufzeichnungen schienen über die Generationen hinweg miteinander zu sprechen.
Nach und nach verstand Saga, dass die Frauen nicht nur Vorhersagen festgehalten hatten. Sie hatten notiert, wie sich eine Karte anfühlte, was die fragende Person nicht sagte und wie sich die Lage später veränderte. Alte Deutungen wurden berichtigt, infrage gestellt und ergänzt. Die Tradition war nicht lebendig geblieben, weil alle dasselbe wiederholten, sondern weil jede den Mut hatte, noch einmal hinzusehen.
Die Sprache der Aufzeichnungen war nicht deshalb geheim, weil sie verborgen werden musste. Sie war geheim, weil ihr Verständnis Zeit, Zusammenhänge und viele Frauen erforderte, die dieselbe Geschichte aus ihrer eigenen Zeit heraus lasen.

